PRESSESPIEGEL März 2009
Ostsee-Zeitung vom 03.03.09, Seite 7
Biogasanlage Penkun läuft mit halber Kraft weiter
Betreiber raus, etwa 20 Mitarbeiter raus, nur noch die Hälfte der Rohstoffe von Bauern. Mit diesen Plänen will eine Fondsgesellschaft Deutschlands größte Biogasanlage in Vorpommern weiterführen.
Von ELKE EHLERS
Pasewalk (OZ) Die Biogasanlage in Penkun soll mit verminderter Kraft weiterarbeiten. Bei der Fondsgesellschaft, die das erste industriell produzierende Biogas- Kraftwerk mit 100 Millionen finanzierte, gibt es dafür bereits konkrete Pläne.
„Der von uns beauftragte Betreiber, die Nawaro BioEnergie AG Leipzig, ist dann raus. Wir führen die Anlage selbst weiter“, stellte Dr. Peter Hein, Geschäftsführer der Doric Asset Finance & Verwaltungs GmbH (Offenbach), in Aussicht. Allerdings nur mit halber Kraft. 20 der 40 Gärbehälter sollen abgeschaltet werden.
„Die Hälfte der rund 40 Mitarbeiter wird dann nicht mehr gebraucht und auch nur die Hälfte der landwirtschaftlichen Rohstoffe“, so der promovierte Jurist. Dazu hat Hein ebenfalls klare Vorstellungen: „Wir nehmen sie von den Landwirten, bei denen wir sie am billigsten bekommen.“ Die zumeist auf zehn Jahre mit den Landwirten abgeschlossenen Lieferverträge seien zu unterschiedlichen Konditionen abgeschlossen worden. Etwa die Hälfte der 300 000 Tonnen Mais, 60 000 Tonnen Gülle und 20 000 Tonnen Getreide kommt von Agrarbetrieben aus Polen.
Harald Nitschke, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Uecker-Randow, hofft darauf, dass die Landwirte aus Vorpommern trotzdem im Geschäft bleiben. Die deutschen Landwirte erhalten zwar einen höheren Preis für den Mais, aus Polen aber würden höhere Transportkosten anfallen. Nitschke ist Chef der Raminer Agrar GmbH bei Pasewalk, sein Betrieb liefert 5000 Tonnen Mais nach Penkun. Außerdem: Die Gärreste, die in den 40 sogenannten Fermentern anfallen, würden die hiesigen Bauern nur abnehmen und als Dünger auf ihren Feldern ausbringen, wenn sie dafür auch ihre Rohstoffe los würden.
Mehr Sorgen als um seine Berufskollegen macht sich Nitschke um die etwa 20Mitarbeiter, die im BioEnergie Park vermutlich in wenigen Tagen ihren Job verlieren. „Wir haben in der Region immer noch 19,5 Prozent Arbeitslosigkeit, jeder wegbrechende Job tut da weh.“ Nitschke sitzt auch im Aufsichtsrat des Nawaro BioEnergie GmbH und weiß, dass in spätestens zwei Wochen eine Entscheidung über den Insolvenzantrag fallen muss. „Sonst machen wir uns der Insolvenzverschleppung schuldig.“
Mit der von der Fondsgesellschaft angestrebten Halbierung der Kapazität könnte das Biokraftwerk weiter Strom produzieren – ohne dass Gewinn gemacht wird, aber auch ohne dass Verluste auflaufen.
„Das kann natürlich nur eine vorübergehende Lösung sein“, meint Doric-Asset-Chef Hein. Durch die Änderung des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) erhalten große Biogas-Anlagen für den von ihnen produzierten Strom nur noch elf statt vorher fast 19 Cent pro Kilowattstunde. Dem Nawaro-Betreiberkonzept würden dadurchamJahresende insgesamt 16 Millionen Euro Einnahmen fehlen.
Zu retten wäre das Unternehmen nur durch eine Bestandsschutzregelung: Als es 2006 in Betrieb ging, galten die höheren Einspeisegebühren als sicher. Die Beteiligten hoffen dazu jetzt auf eine kurzfristige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes oder aber über eine schnelle, weitere Gesetzesänderung durch den Bundestag. Heute sollte es Signale aus Berlin geben, hofft Nawaro-Geschäftsführer Felix Hess.
Auch die Fondsanleger werden aktiv. „Viele haben sich direkt an die Bundestagsabgeordneten gewandt“, weiß Fonds-Vertreter Hein. Bei den 5400 Anlegern handele es sich „um ganz normale Kunden – vom Schüler bis zum Rentner“. Bundesweit verteilt seien im Durchschnitt pro Person 17 000 Euro eingezahlt worden, „größtenteils von Leuten, die mit alternativen Energien etwas Gutes tun wollen“, so der Manager. Auf ihre erste, für November 2008 angekündigte Ausschüttung mussten sie verzichten. Kommt die Insolvenz des Werkes, fallen die Verluste größer aus.